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(Texte u. Abbildungen wurden uns freundlicherweise mit Erlaubnis von Prof. Dr. med. Hoyer vom Universitätsklinikum Marburg/Gießen zur Verfügung gestellt)

Organspende

Deutschland stellt mit ca. 15,3 Organspendern pro Millionen Einwohner pro Jahr das Schlusslicht in der Organspendefrequenz in Europa dar. Eine der Hauptursachen für diesen Missstand ist die hohe Ablehnungsquote durch die Angehörigen, die in der Situation der Todesüberbringung durch den Arzt sich bei der Bitte um Organspende emotional überfordert fühlen.

Zurzeit warten ca. 12.000 Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan. Die Warteliste der Patienten, die mit der künstlichen Blutwäsche (Dialyse) behandelt werden und auf eine Transplantation warten, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Sie stellen den Hauptanteil mit ca. 9.000 Patienten, die sich dringlich eine Transplantation erhoffen. Während Patienten mit einem endgültigen Nierenversagen mit der künstlichen Niere am Leben erhalten werden kann, ist die Situation für Patienten, die ein weit vorangeschrittenes Herz- und Leberversagen haben, dramatisch. Einige Patienten müssen in der Wartezeit wegen einer Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden, andere sterben, weil nicht rechtzeitig ein Organ zur Verfügung steht.

Der überwiegende Teil der transplantierten Organe stammt von Verstorbenen, die zu Lebzeiten der Organspende zugestimmt hätten, einen Spenderausweis bei sich trugen, oder deren Angehörige der Organentnahme zustimmten. Wer sich zur Organspende nach seinem Tode bereit erklärt, braucht dieses nur schriftlich zu dokumentieren. Spenderausweise erhält man bei der DSO in vielen Sprachen oder hier als Download in deutscher Sprache. Besondere medizinische Untersuchungen sind zu Lebzeiten nicht erforderlich.

Hier der deutsche Organspende-Ausweis als Download:


ausweisdeutsch.pdf [74 KB]
registration-for-vacation-dialysis-2012-04-01.pdf [70 KB]
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Lebendspende

Bundesweit beträgt die Wartezeit für eine Nierentransplantation zwischen 5 bis 7 Jahre. Ursache für diese Patienten belastende Wartezeit ist die Spenderknappheit. Durch die Entwicklung neuer schonenderer Operationstechniken der Organentnahme (minimal invasive Operationstechnik) ist es nun möglich geworden, schonend und für die Lebend-Nieren-Spender mit geringem Risiko belastet, die Lebendspende als Alternative den Patienten und deren Angehörigen anzubieten. Bei dieser Form der Nierenentnahme werden durch Laparoskope (dünne Instrumente mit einer Optik, mit der man in den Bauchraum hinein schauen kann) die Nieren dargestellt und präpariert, die Niere selbst wird handgeführt über einen Schnitt oberhalb des Schambeines, ähnlich wie beim Kaiserschnitt in der Geburtshilfe geborgen. Die Nierenspender können am Tag nach der Operation das Bett verlassen und können wenige Tage später das Krankenhaus verlassen.

Weiteres zum Thema Lebendspende
2006 betrug der Anteil der Lebendspenden (Niere) 18,8 %. Die Lebendspende sollte selbstverständlich freiwillig erfolgen und ist nur unter nahen Verwandten und einander persönlich eng verbundenen Personen zulässig. Die Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit wird vor der endgültigen Entscheidung von Psychologen und einer unabhängigen Ethikkommission, zusätzlich zu den medizinischen Vorbereitungen, in Gesprächen geprüft. In aller Regel kann der Spender nach der Entfernung einer Niere sein Leben ganz normal weiterführen. Die verbliebene Niere übernimmt weitgehend die Funktion der entfernten Niere.

Aufgrund der vorher sehr genauen medizinischen Abklärung des Spenders werden nur Nieren gesunder Spender von sehr guter Qualität für die Lebendnierentransplantation verwandt. Die Organentnahme und Transplantation finden unmittelbar nacheinander statt, was die Zeit, in der die Niere nicht durchblutet ist (kalte Ischämiezeit), sehr kurz hält. Da der Eingriff im Voraus planbar ist, findet er unter optimalen Bedingungen statt. Im Idealfall ist keine Wartezeit auf eine Transplantation erforderlich, was ggf. eine Dialysebehandlung gänzlich vermeiden lässt.


Eurotransplant Senior Programm (ESP)

Durch rückläufige Organspenderzahlen und gleichzeitiger höherer Lebenserwartung steigt der Bedarf an Spendernieren. Aus diesem Grunde läuft seit 1999 das Eurotransplant Senior Programm (ESP), das potenziellen Organspendenempfängern mit dem 65. Lebensjahr die Chance bietet, durch die Vermittlung eines Organs eines Spenders von 65 Jahren und älter ("old to old") die Wartezeit auf eine Transplantation zu verkürzen, was eine 5-Jahres Analyse dieses Programms auch belegt.

Das Transplantat- und Empfängerüberleben (85 – 90% nach einem Jahr, nach drei Jahren 70 – 75 %) unterscheidet sich bei ESP nicht von dem jüngerer Spendernieren in ältere Empfänger und weisen eine gute Funktion auf.

Ein Merkmal dieses Programms ist, dass die Spenderorgane in der Region entnommen werden und dann nur unter den Patienten auf der Warteliste einer Region verteilt werden. Dies bedeutet, dass die Niere "nur kurze Wege" transportiert werden muss und daher die Zeit, in der sie nicht durchblutet ist (Ischämie), deutlich geringer ist, was sich auf das Überleben des Transplantats und des Patienten positiv auswirkt.


Allokation

Vermittlung von Spenderorganen
Um eine größtmögliche Chancengleich aller Patienten zu gewährleisten, melden alle Transplantationszentren seit März 1996 nach Abschluss der erforderlichen Voruntersuchengen ihre Patienten auf eine einheitliche Warteliste: "Eurotransplant".

Die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant wurde 1967 von Dr. Jon J. van Rood gegründet und hat ihren Sitz im niederländischen Leiden.
Eurotransplant ist die durch das Transplantationsgesetz beauftragte Einrichtung für die Vergabe von Organen, dort wird der internationalen Austausch von Spenderorganen in Deutschland, Österreich, den Benelux-Staaten und Slowenien vermittelt und koordiniert.

Eurotransplant befasste sich zunächst ausschließlich mit Nierentransplantationen, vermittelte jedoch schon bald auch die Übertragung von Lebern, später kamen Herz- und Pankreastransplantationen hinzu.

Grundlage der Organverteilung ist der von dem Informatiker Thomas Wujciak entwickelte und nach ihm benannte "Wujciak-Algorithmus" (Dr. Thomas Wujciak / Prof. Dr. Gerhard Opelz, Heidelberg), der aus den Daten der bis dahin durchgeführten Transplantationen den Einfluss unterschiedlicher Kriterien auf den Transplantationserfolg berechnet und daraus ein Punktesystem für die Organverteilung ermittelt.

Die Verteilung der Organe erfolgt mit dem X-Comb-Programm (ETKAS). Dieses Programm vergibt Punkte an jeden als transplantabel gemeldeten Patienten auf der Warteliste, der die gleiche Blutgruppe hat wie der aktuelle Organspender. Das Programm errechnet für jeden potenziellen Empfänger aktuell eine Punktzahl und erstellt nach der Punktzahl eine aktuelle Empfänger-Rangliste.


Die 6 Faktoren, die Berücksichtigung finden, sind:

Übereinstimmung in den Gewebegruppen (HLA-Match) zwischen Spender und Empfänger (max. 400 Punkte)

Wahrscheinlichkeit für einen Patienten, jemals ein gutes HLA-Match zu erreichen (max. 100 Punkte)

Wartezeit auf eine Nierentransplantation (50 Punkte pro Jahr ohne zeitliche Begrenzung)

Die Entfernung zwischen Spenderregion und Empfängerzentrum zur Vermeidung langer Transportzeiten (max. 200 Punkte)

Import-/Export-Bilanz zwischen den beteiligten Nationen (max. 200 Punkte)

Die kleine Gruppe von besonders dringlichen Nierenempfängern (high urgency) erhält 300 Extrapunkte

Für die Antworten auf diese fünf Fragen erhält jeder Patient einen bestimmten Punktwert. Dieser Punktwert fällt umso höher aus, je günstiger die Antwort ist. Wenn z.B. eine volle Übereinstimmung in allen Gewebemerkmalen besteht, wird die höchste Punktzahl vergeben, wenn gar keine Übereinstimmung besteht, gibt es Null Punkte. Der Patient mit der höchsten Punktzahl bekommt das Organ zugeteilt. Eurotransplant benachrichtigt das entsprechende Transplantationszentrum. Akzeptiert dieses nach Prüfung der Daten das Organ, wird der Empfänger zur Transplantation einbestellt. Das Zentrum, das die Nierentransplantation durchführt, hat keinen Einfluss auf die Auswahl des Empfängers. In allen Mitgliedsländern kann ein Patient also nach sechs Jahren maximal 1000 Punkte zuzüglich nationaler Bilanzpunkte erreichen. Beträgt die Wartezeit mehr als sechs Jahre, erhöht sich die Punktzahl weiter. Die Gewichtung dieser Faktoren wurde für die Bundesrepublik Deutschland von der Transplantationskommission bei der Bundesärztekammer festgelegt.

Auszüge aus den Richtlinien zur Organtransplantation, der Bundesärztekammer vom 14.02.2003 als Download:


organtransplantationsrichtlinien.pdf [65 KB]
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Der Organspendeausweis

Der Organspendeausweis ist in vielen Arztpraxen und Apotheken erhältlich. Sie können aber auch hier den Ausweis als PDF-Dokument herunterladen, ausdrucken und ausfüllen.

Im seit 1997 geänderten Organspendeausweis kann man das Einverständnis zur Organspende entweder generell erteilen, oder man kann es auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Organspende widersprechen. In der Zeile "Anmerkungen/Besondere Hinweise" kann man eine Person benennen, die im Todesfall benachrichtigt werden soll.

Wer seine Einstellung zur Organspende ändert, muss lediglich die alte Erklärung vernichten. Oder auf einem neuen Ausweis seine geänderte Einstellung festhalten.

Es ist sinnvoll, den Organspendeausweis bei den Personalpapieren mit sich zu tragen, da in einer Unfallsituation hier als erstes nachgeschaut wird, um die Angehörigen verständigen zu können. Man kann den Ausweis aber auch bei Angehörigen oder einer nicht verwandten Vertrauensperson hinterlegen. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.


Das Transplantations-Gesetz


transplantationsgesetz.pdf [57 KB]
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Das Transplantationsgesetz regelt seit 1997 in der Bundesrepublik Deutschland die Spende und Entnahme von Organen oder Organteilen, zum Zwecke der Übertragung auf andere Menschen.

Inhalte des Gesetzes:

Organentnahme bei Lebenden

Organentnahme bei Toten

Einwilligung zur Organentnahme

Todesfeststellung bei Hirntod

Transplantationszentren

Wartelisten

Organhandel

Organspenderegister

Nierentransplantation

Die Indikation zur Nierentransplantation ist das irreversible, terminale Nierenversagen, mit der Notwendigkeit einer lebenslangen Dialysebehandlung. Die Nieren können aus verschiedenen Gründen versagen – sei es durch Schädigungen aufgrund Diabetes mellitus, einer Immunkrankheit, Medikamenten, einer schweren Nierenbeckenentzündung oder durch eine angeborene Störung.

1954 transplantierte der Chirurg Joseph Murray in Boston die erste erfolgreiche Verwandtenniere unter Zwillingen.

Im Jahr 2006 wurden in Deutschland 2.254 Nierentransplantationen nach postmortaler Organspende – und 522 Nierentransplantationen durch Lebendspende – vorgenommen. Deutschlandweit warten circa 9.000 Patienten auf eine neue Niere, die durchschnittliche Wartezeit beträgt 5 Jahre (siehe Grafik, die auch als Download zur Verfügung steht).

Mit Hilfe der Immunsuppressiva, haben sich die Langzeitergebnisse in Bezug auf die Nierentransplantation wesentlich verbessert. Nach einem Jahr sind noch etwa 85% der Transplantate intakt, nach einer Lebendspende noch 94 Prozent. Nach 5 Jahren funktionieren noch 71% bzw. 84% Prozent der Transplantate.

Aktive Warteliste und Nierentransplantation (DSO)



Download des Diagramms:


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wartelistetransplantation.pdf [54 KB]


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